Das Formenkollektiv

Das Formenkollektiv ist das derzeit wahrscheinlich kleinste Kollektiv der Welt, denn bisher besteht es nur aus zwei Personen. 😀

Wir, das sind Anna und David, haben uns in unserem Kampf für Klimagerechtigkeit, aber auch in unseren Studien der Politikwissenschaften und der Inklusiven Pädagogik, schon viel kritisch mit Gesellschaft beschäftigt und wie sie gerechter und inklusiver organisiert werden könnte. Dabei haben sich für uns aber auch schnell Fragen danach gestellt, wie wir unsere eigenen Lebensweisen so gestalten können, dass wir zum Einen nicht auf Kosten Anderer leben und zum Anderen die Zeit und Kapazitäten haben uns für einen grundlegenden Gesellschaftswandel einzusetzen.

Wie möchten wir wohnen? Wie wollen wir lernen? Wie möchten wir Beziehungen führen? Wie wollen wir mit Geld umgehen?… Unserer Meinung nach sind das Fragen die sehr eng mit einer gesamtgesellschaftlichen Transformation zusammenhängen, aber deren Beantwortung wir uns, auch in aktivistischen Kreisen, eher vereinzelt und mit zu wenig Nachdruck widmen.

Neben der Beschäftigung mit Gesellschaft aus unseren jeweiligen Perspektiven setzen wir uns deswegen seit einiger Zeit intensiv mit unseren eigenen Lebensweisen auseinander. Diese Auseinandersetzung war bereits der Anstoß für mehrere Prozesse. So sind wir unter anderem inzwischen Teil einer Gruppe, die plant in Bremen ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu gründen (bude.noblogs.org), teilen unsere Finanzen und sind interessiert daran mit möglichst vielen Menschen in Austausch zu kommen und Impulse zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensweise und unserer Vorstellung von Gesellschaft bzw. ihrem Wandel zu geben. Wir hoffen dabei auch auf jeden Fall weitere Mitstreiter*innen zu gewinnen, die unsere bisherigen in vielerlei Hinsicht eingeschränkten Überlegungen durch ihre Perspektiven erweitern. Formenkollektiv nennen wir uns deshalb, weil wir uns mit Lebensformen, Kollektivformen und Gesellschaftsformen auseinandersetzen.

Positionierung

Als weiße Menschen mit deutschem Pass und einer akademischen Sozialisation gehören wir zu einer der privilegiertesten Gruppen, sowohl global, als auch dort wo wir leben. Neben den Ressourcen (Zeit, Geld, Bildung, etc.) auf die wir dadurch von vorne herein verfügen können, ist es für uns außerdem selbstverständlich uns auch weiterhin Inhalte, Räume und Ressourcen anzueignen, meistens begünstigt durch die dominanten Herrschaftsverhältnisse. Diese Selbstverständlichkeit zu hinterfragen ist uns deshalb inzwischen ein wichtiges Anliegen. Aus dieser kontinuierlichen kritischen Auseinandersetzung wollen wir vor allem praktische Konsequenzen ableiten. Bisher bedeutet das konkret, dass wir immer einen Teil der uns zur Verfügung stehenden Ressourcen weitergeben wollen (z.B. indem wir einen Teil, mindestens aber 10% unserer Einkünfte spenden) und diese Auseinandersetzung natürlich auch in unsere Inhalte/Workshops einfließen lassen. Langfristig wollen wir aber natürlich auch als Kollektiv diverser werden. Wenn uns das nicht gelingen sollte und wir entweder selber merken oder dafür kritisiert werden, dass wir durch unsere Arbeit nur unsere eigenen Privilegien festigen oder sogar ausbauen, nehmen wir uns vor unsere Tätigkeiten grundlegend zu verändern oder einzustellen.

Unsere Positionierung beeinflusst natürlich auch wen wir mit unseren Inhalten und Angeboten erreichen (wollen bzw. können). Aber solange wir als Kollektiv nicht viele unterschiedliche Lebensrealitäten abbilden können, wird es wahrscheinlich schwierig Menschen mit deutlich anderen Erfahrungen zu erreichen. Solange dies der Fall ist, wollen wir zwar immer noch versuchen, unsere Inhalte so breit wie möglich zu streuen und dafür auch unsere Angebote so inklusiv wie möglich zu gestalten. Unsere Zielgruppe sind aber wahrscheinlich erst einmal Menschen, die ähnlich privilegiert sind und die Kapazitäten haben, sich mit unseren Fragestellungen auseinanderzusetzen. Unsere Hoffnung ist dabei aber ja Impulse zur breiteren Umverteilung von Privilegien und Ressourcen zu geben. Auch hier wollen wir unsere Praxis aber stets hinterfragen und sind dankbar für konstruktive Kritik.